Alles Lüge? So ein Blödsinn, einfach nur die beste Version!

Mein Leben findet ja nicht ausschließlich im PR-Kosmos statt. Das hat gute und schlechte Seiten...die gute: der Blick über den Tellerrand der eigenen Branche ist garantiert, die schlechte: man hat mitunter Erklärungsbedarf. Da gibt es doch Einige, die eine gesunde Skepsis der PR gegenüber aufbringen. „PR-Fuzzis manipulieren ja die öffentliche Meinung“, bekommt man da beim sonntäglichen Brunch zu hören oder „Pressesprecher lügen bis sich die Balken biegen“, vernahm ich kürzlich. Das mag vielleicht manchmal so aussehen, aber ein guter PR-Pro lügt nie. Weil das wäre die Todsünde Nummer 1 in meiner Branche. Lügen werden enttarnt, und die Glaubwürdigkeit ist somit dahin. Zuletzt gesehen beim britischen Premier, der vehement bekräftigte, nichts mit Panama am Hut zu haben, und es kostete dann verdammt viel Kraft und Reputation, hier wieder zurück zu rudern. Prinzipiell gilt: Lügen ist tabu. Was hingegen erlaubt, gewollt und die hohe Kunst der PR ist: die beste Version der Geschichte erzählen. Die PR-Version. Ein ganz alltägliches Beispiel: Vor vielen Jahren habe ich in einem Büro Nähe Prinz-Eugen-Straße gearbeitet. Auf die Frage, wo denn mein Büro sei, konnte ich antworten: beim Südbahnhof oder beim Schloss Belvedere. Beides richtig. Nur das eine klingt irgendwie ansprechender. Zugegeben. Versuchen wir nicht alle immer die beste Version von uns selbst zu sein? Das ist doch grundsätzlich erstrebenswert und ganz sicher nicht unanständig. Das macht die PR eigentlich schlicht zum Make up, das die Lippen etwas röter, die Wimpern etwas länger und die Haut etwas ebenmäßiger erscheinen lässt.