"Hast an Schilling" - und warum Storytelling den großen Unterschied macht

Als gelernter Wiener, der noch vor EU-Beitritt und gemeinsamer Währung durch die Innenstadt und insbesondere die U-Bahn-Station Karlsplatz schlenderte, hat den Satz „Hast an Schilling“ oftmals gehört. Es war der Standard-Spruch des Schnorrens. Geradlinig, ohne Erklärung, ohne Umschweife wurde der Passant mit dem Wunsch konfrontiert.

Kürzlich in Chicago, einer Stadt voll Glanz und Glamour aber auch mit der Schattenseite vieler Obdachloser läuft das ganz anders. Die meisten Obdachlosen, die Anwälte, Banker und Touristen um Geld bitten, haben eine Papptafel vor sich stehen und erzählen darauf ihre Geschichte, ihren Schicksalsschlag, ihre Erklärung, warum sie in dieser Situation sind oder was sie mit dem gespendeten Geld tun werden. Wenn man kurz anhält, sich die Zeit nimmt und diese Geschichten liest, kann man kaum anders, als sie unterstützen, weil hier diese Geschichte ist, die einen berührt, die einem einen Einblick gibt – vom Kriegsveteran, vom Waisenkind, von der Alleinerzieherin, die ihren Job verloren hat. Man ist gleich in das Leben dieser unbekannten Person involviert. Genau diesen Unterschied macht Storytelling. In den USA allgegenwärtig, nicht nur beim Frühstücksfernsehen, auf Facebook oder bei Veranstaltungen, sondern auf der Straße, im Geschäft und in der Bar. Jeder hat eine Story, jeder Mensch, jede Company, jedes Produkt – erzählen wir sie, denn das macht den Unterschied!