Diese Story wird fliegen: Content bis zum Abwinken, in perfektem Storytelling verpackt, echten Newswert ausgearbeitet. Alles einfach richtig gemacht. Die Coverage ist gesichert, die Medien-Clippings, Postings und Anfragen werden nur so reinprasseln...Nein, nicht unbedingt. Denn neben all der Professionalität in der Aufbereitung der Geschichte gibt es einen weiteren Faktor, der ein richtiger Spielverderber werden kann: Das Timing! Ja, wir können den Redaktionsschluss recherchieren, die Liste mit Sonderthemen erstellen, einfach unsere Hausaufgaben in Sachen perfektes Timing machen, und dann war’s noch immer der falsche Zeitpunkt. Die Medienlandschaft ist lebendig, es ist nicht alles rational und berechenbar. So viele Faktoren können zum Erfolg oder Misserfolg führen: Breaking News, die alle Redaktionspläne durcheinander würfeln und von einer Sekunde auf die andere die sozialen Medien beherrschen, die Laune oder das persönliche Interesse des Chefs vom Dienst...im richtigen Moment am richtigen Ort sein, ist Teil des Erfolgs...Glück gehört eben auch dazu...und Glück ist irgendwie unberechenbar...
Von Emotionen und Gefühlsmenschen - warum PR die neue Werbung ist
In meiner jüngsten Wettbewerbs-Präsentation schmückte ein wunderschönes Zitat des glorreichen wie geistreichen Seth Godin die Titelfolie: People do not buy goods and services, they buy relations, stories and magic. Das ist erstens „so true“ und zweitens für uns in der PR ein neues Zeitalter. Die coolen Werber waren immer allein für die Emotion zuständig. Wir PRler galten als die Langeweiler mit dem faden Inhalt. Früher haben wir Produktbeschreibungen rausgeschickt, haben uns a bissl gewundert, warum sie nicht so gut ankommen, aber so hat man halt Produkt-PR gemacht. Heute ist das anders. Es ist das Zeitalter des Storytelling angebrochen. Wir beschreiben nicht mehr das Produkt, sondern wir erzählen wie es entstanden ist, wer die Idee dazu hatte, wie es gemacht wurde und schlussendlich, was man alles damit tun kann. Ich habe keinen Ziegel der soundso schwer ist, und aus dem und dem Material ist, sondern ich habe einen Ziegel, der der Grundstein für mein Traumhaus ist. Ich habe keine Settop-Box, die soundso viel Bandbreite hat und jenewelche Datenmenge transportiert, ich habe ein Gerät, das mir ein unvergessliches Kinoerlebnis in mein Wohnzimmer bringt. Das sind alles Emotionen! Wir wecken Emotionen. Das durften einst immer nur die kreativen Werber, die Welten erschufen und inszenierten. Wir machen das jetzt mit unseren Geschichten, wir sind Geschichtenerzähler...und irgendwie Gefühlsmenschen.
"Hast an Schilling" - und warum Storytelling den großen Unterschied macht
Als gelernter Wiener, der noch vor EU-Beitritt und gemeinsamer Währung durch die Innenstadt und insbesondere die U-Bahn-Station Karlsplatz schlenderte, hat den Satz „Hast an Schilling“ oftmals gehört. Es war der Standard-Spruch des Schnorrens. Geradlinig, ohne Erklärung, ohne Umschweife wurde der Passant mit dem Wunsch konfrontiert.
Kürzlich in Chicago, einer Stadt voll Glanz und Glamour aber auch mit der Schattenseite vieler Obdachloser läuft das ganz anders. Die meisten Obdachlosen, die Anwälte, Banker und Touristen um Geld bitten, haben eine Papptafel vor sich stehen und erzählen darauf ihre Geschichte, ihren Schicksalsschlag, ihre Erklärung, warum sie in dieser Situation sind oder was sie mit dem gespendeten Geld tun werden. Wenn man kurz anhält, sich die Zeit nimmt und diese Geschichten liest, kann man kaum anders, als sie unterstützen, weil hier diese Geschichte ist, die einen berührt, die einem einen Einblick gibt – vom Kriegsveteran, vom Waisenkind, von der Alleinerzieherin, die ihren Job verloren hat. Man ist gleich in das Leben dieser unbekannten Person involviert. Genau diesen Unterschied macht Storytelling. In den USA allgegenwärtig, nicht nur beim Frühstücksfernsehen, auf Facebook oder bei Veranstaltungen, sondern auf der Straße, im Geschäft und in der Bar. Jeder hat eine Story, jeder Mensch, jede Company, jedes Produkt – erzählen wir sie, denn das macht den Unterschied!