Der Blender, uns allen gut bekannt...Jeder kann spontan ein Dutzend Beispiele für den Fake-it-’til-you-make-it-Typen nennen. Der Blender hat aber auch einen Antagonisten, der ja grundsätzlich sympathischer ist, aber für den PR-Berater die wesentlich größere Aufgabe darstellt. Jemand der eine Rolle hat, in die er noch nicht reingewachsen ist...er muss zum Fernsehinterview, Schminke beim Fotoshooting, Keynote-Speech beim Kongress...alles ungewohnt. Irgendwo fühlt er sich ein bisschen wie bei der verpatzen Chemie-Wiederholung in der 3. Klasse oder als Links-Außen-Verteidiger beim Schülerliga-Match in Tulln, aber nicht als großer CEO, als Top-Experte, als Spitzenkandidat... Nun muss man die Erwartungen des Publikums mit dem noch zu bescheidenen Selbstverständnis verbinden. Einfach nur coachen, briefen und bossy Verhaltensmuster antrainieren wird ihm die Authentizität nehmen, ihn allerdings wegen der stets hochgepriesenen Authentizität in seiner Welt zu lassen, wird ihm keine Glaubwürdigkeit in seiner Rolle verschaffen. Und wie sooft...auf die Mischung kommt es an: Entspreche beim Auftritt deiner Rolle, erfülle die Erwartungshaltung beim Publikum und bleib dabei wer du bist.
Cobbler, stick to your last - über Wahrheit & Wahnsinn im Netz
Mit Google sind wir ja unfassbar gescheit geworden. Wir wissen alles und das sofort als ob wir es studiert hätten. Das macht uns – je nach Bandbreite, verfügbarem W-LAN und Handy-Netz – zum Experten für eh alles in wenigen Sekunden... Erkennen wir die einen oder anderen Symptome, klopfen wir sie in den Computer rein und schon hat Dr. Google für uns die passende Krankheit parat. In der Arztpraxis darf man dann sein im Netz erworbenes Medizinstudium eingehend mit dem Doktor diskutieren...Ähnlich läuft’s bei Übersetzungen. Leo und Linguee machen uns ganz flux zu Sprachgenies...immer die richtige Redewendung auf den Lippen...Gut, wir wissen, wir können mit dem allen ziemlich einfahren...zu testen ist das, wenn man sein eigenes Fachgebiet nachgoogelt. Das hat mich kürzlich zu einem Artikel einer deutschen „Kollegin“ geführt, die in zehn Schritten jungen Unternehmen und Start-up-Foundern erklärt, wie sie erfolgreich PR machen können...Ich dachte mir, ah interessant, vielleicht kann ich mich da etwas inspirieren lassen...tja...als Inspiration konnte man das wohl bezeichnen...denn offensichtlich bin ich die letzten 20 Jahre meinen Job vollkommen falsch angegangen. Der 1. der 10 Top-Tipps: Man muss Journalisten Geschenke machen, nämlich ordentliche, keine die man essen kann, denn die sind zu schnell weg... (sic! – wie wir in wissenschaftlichen Arbeiten immer den absoluten Wahnsinn markieren mussten). Dem nicht genug, man müsse Journalisten auch richtig auf die Pelle rücken, auflauern und abpassen...und nein, der Artikel, war nicht aus der Tagespresse...ich hab’s drei Mal gecheckt...Also, die Moral von der G’schicht in einer alten Volksweisheit zusammengefasst: Schuster bleib bei deinen Leisten, oder: Cobbler, stick to your last!
Dienstleister oder Experte - die Schizophrenie des PR-Beraters
Hat der Kunde immer Recht? Das ist wohl die Gretchenfrage, nicht nur im PR-Business, sondern in jedem Dienstleistungsgeschäft. Dem Kunden Recht zu geben und einfach „zu dienen und zu leisten“ ist oftmals der angenehmere Weg. Just nach dem Motto, wer zahlt, schafft an, gibt der Kunde vor, was zu tun ist. Und der Dienstleister setzt um. Der Lohn dafür: ein vermeintlich glücklicher Kunde und ein geliebter Dienstleister. Tja, das ist aber so eine Sache, wenn man mit dem Kunden ein Mal nicht einer Meinung und vom eigenen Weg 100 Prozent überzeugt ist. Hier setzt dann die wahre Zerrissenheit des PR-Beraters ein: Er muss sich nun zwischen Dienstleister- und Experten-Dasein entscheiden. Geht man auf Konfrontation mit dem Kunden oder seinem CEO? Dann kann’s recht ungemütlich werden. Doch: Ist es nicht meine Pflicht, meine Expertise einzubringen und meinen Kunden bestmöglich zu beraten? Das mag vielleicht kraftraubend sein und macht einen mitunter das eine oder andere Mal zum anstrengenden Zeitgenossen, aber es zahlt sich aus, denn der Lohn ist, ein wirklich glücklicher Kunde und ein hoffentlich trotzdem geliebter Berater.