Zeitung

Kauft mehr Zeitungen - denn wir brauchen Journalisten, echte Journalisten

Nicht dass es unerwartet kam...eigentlich haben viele schon lange darauf gewartet...und gestern war’s dann soweit: Österreichs einzige Wirtschaftszeitung schließt ihre Pforten. Das taugt mir gar nicht. Weil ich bin bekennender Zeitungsleser und ich liebe, achte und ehre unsere Journalisten – die meisten zumindest. Wir brauchen sie in einer Demokratie, in der aufgeklärten Gesellschaft. Irgendjemand muss mit professionellem Auge auf die Geschehnisse in der Welt – sei es nun in der Chronik, in der Politik oder eben in der Wirtschaft schauen. Social Media ist zwar eine feine Ergänzung, kann aber echten Journalismus bei Gott nicht ersetzen. Gerade wieder bei den jüngsten Attentaten in Nizza, München und Ansbach hat man gesehen, wie wichtig der Beruf des Journalisten und die Rolle der traditionellen Medien sind. Wir brauchen verlässliche Informationen. Es ist nicht jeder mit einem Twitter-Account ein Journalist, es ist nicht jedes Foto vom Ort des Geschehens aus journalistischen oder ethischen Gründen zu veröffentlichen. Wir brauchen Journalisten, die ihre Arbeit können, die recherchieren, hinterfragen, schreiben. Und für diese Arbeit, für diese Dienstleistung müssen und sollen wir zahlen, in der Trafik, im Abo für Print oder Online. Warum glauben wir, dass Journalismus for free ist? Da stecken Medienmacher und Journalisten dahinter, die gelernt haben, die studiert haben, eine Karriere aufgebaut haben, jeden Tag in der Früh aufstehen, hart arbeiten, ihren Job machen. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, in den Bundy & Bundy in der Wallnerstraße zu spazieren und einen Gratis-Haarschnitt abzuholen oder die Scheidungspapiere in der Innenstadtkanzlei ausarbeiten zu lassen und das Anwalts-Honorar nicht bezahlen zu wollen. Journalismus muss uns was wert sein – uns als Gesellschaft über die Medienförderung und uns als Einzelperson mit einem Print-, Online-whatever-Abo.

Nostalgie oder Renaissance - und warum ich es liebe, Zeitung zu lesen und es eigentlich jeder tun sollte

In Italien war es immer auch ein bisschen ein Mode-Accessoire...mit dem Corriere della Sera oder doch der liberalen Repubblica unterm Arm in die Bar auf einen Espresso zu gehen...bei uns ein politisches Statement...die „Presse“-Hochburgen in Döbling und Hietzing...die „Standard“-Fraktion an der Hauptuni...wenn man über Zeitungen und Zeitunglesen spricht, hat das einen Hauch von Nostalgie. Ich wurde kürzlich bei einer Umfrage im Internet gefragt, ob ich „der Print- oder Online-Typ“ sei. Eigentlich hätte man den Fragebogen in wenigen Minuten beantworten können, aber ich bin bei dieser Fragestellung hängen geblieben. Ja, ich verbringe viele Stunden im Netz, ziehe meine tagesaktuellen Inhalte aus orf.at, Facebook und Twitter. Aber macht mich das zum Onlinetyp? Und muss man sich da wirklich entscheiden? Ich kam nicht umhin mich zu fragen, ob das tatsächlich eine Entweder-oder-Geschichte ist. Denn: Ich liebe es, Zeitung zu lesen. In der Früh das frische Exemplar von der Türmatte nehmen, den Earl Grey in der einen, die Zeitung in der anderen Hand am Küchentisch das 1er-Kastl studieren, sich über den „Kommentar der anderen“ ärgern und über das Pizzicato schmunzeln... Zeitunglesen ist ganz was Anderes als Nachrichten checken. Ich liebe gut recherchierte und fein formulierte Geschichten, spannende Analysen, die Reflexion einer Nachricht, bissige Kommentare, und wenn ich nicht der selben Meinung bin, dann umso mehr.  Also ich bin bekennender Online- und Printtyp, denn ich kann nur jedem empfehlen, es ist ein gutes Gefühl...damals wie heute...und morgen sicher auch noch.