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"I am what I am" - über die Krux mit der Authentizität

„Authentisch sein“ – ich glaube, es ist der meist gehörte Ratschlag, der einem Politiker im Wahlkampf, einem Manager fürs Interview, einem Star für den großen Auftritt gegeben wird. Gut, wir sind uns einig, dass zutode-gecoachte, unangreifbare Marionetten in den Beliebtheitswerten nicht ganz oben rangieren, dass eingelernte leere Phrasen niemand vom Hocker reißen und dass gemainstreamte Outfits und Gesten uns nicht hinterm Ofen hervor holen. Aber ist Authentizität wirklich der Schlüssel zum Erfolg – und zwar für jeden? Muss man wirklich nur "man selbst" sein, und dann wird’s schon klappen - mit dem Auftritt, mit dem Interview, mit der Rede? Wollen wir einen authentischen karrierefixierten Manager, wollen wir einen authentischen profitorientierten Verkäufer, wollen wir einen authentischen machthungrigen Politiker, wollen wir einen authentischen wirren Experten? Ich behaupte, nein. Der Kern der Persönlichkeit ist wohl das Um und Auf, glaubwürdig eine Sache zu vertreten, aber ein professionelles, sympathisches Auftreten kann durchaus ebenso helfen. Daher denke ich: Auf die Mischung kommt es an.

Drama, Baby - über die Kim Kardashianisierung der Politik

PR in Hollywood und Washington – oder für Starlets und Politiker – funktionierte immer vollkommen konträr. Stars und Starlets leben von Skandalen und Skandälchen aller Art. Wichtig dabei ist immer, möglichst schrill zu sein und um jeden Preis aufzufallen...in Paparazzi-Nähe betrunken Autofahren, eine kleine Schlägerei anzetteln, high von allen möglichen chemischen Lebenshilfen aus dem Strip-Club wanken...alles ist erlaubt, gewünscht und perfekt inszeniert. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung mit den zahllosen Reality-TV-Stars unter ihrer absoluten Königin Kim Kardashian. Der Politiker dagegen war immer auf das Gegenteil bedacht. Das Saubermann-Image war Grundvoraussetzung für den Erfolg beim Wähler. Es galt stets klug, überlegt und anständig zu wirken, gefasst, diplomatisch und professionell zu kommunizieren, und wenn es kleine Unzulänglichkeiten gab, wurden sie gekonnt unter den Tisch gekehrt. Aber ja nicht Poltern, Pöbeln, öffentlich kein falsches Wort am falschen Platz, das könnte die gesamte hart erarbeitete politische Karriere mit einem Schlag beenden. Warum ich das Ganze in der Vergangenheitsform formuliere? Weil ganz offensichtlich gelten diese Gesetze nicht mehr. Drama, Baby, jetzt auch in der Politik?