Rede

Jungs, kein Vorspiel bitte! Übers Redenschreiben und den schmalen Pfad zwischen Langeweile und Peinlichkeit

„Und jetzt kommen wir zu den Reden...“ – egal ob Hochzeit, Business-Event oder Kongress...wird der Part mit den Reden angekündigt, fallen zwei Drittel der Anwesenden prophylaktisch ins Koma. Die Erfahrung hat uns gelehrt, jetzt wird’s langweilig...Denn die meisten Reden fangen mit einem ziemlich faden Intro an...der Name, die Vorstellung...ein paar Eckdaten aus dem CV...geschmückt mit den Zuständigkeitsbereichen...oder die Agenda vielleicht... Das Vorspiel, der immer gleiche, immer fade Start in eine Rede ist der Lust-Killer schlechthin. Die Aufmerksamkeit ist weg und der Redner hat ziemliche Mühe das Interesse später wieder zu wecken. Drum: Lass das übliche Bla-bla am Anfang einfach aus, in medias res, Und: Action! Der Autor startet auch mit der catchy Headline und nicht mit der Fußnote. Fang dein Publikum in den ersten drei Sätzen...für Name, Alter, Herkunft ist immer noch Zeit. Aber dann hast du schon mal die Aufmerksamkeit und mit der kann man spielen. Starte mit dem Problem und biete gleich die Lösung, deine Lösung an...das ist deine Message. Hol das Publikum in deine Emotion, erzähle ihnen von deiner Vision...Es gibt unzählige viel aufregendere Gedanken als die plumpe Vorstellung. Dann ersparst du dir später auch krampfhafte Pointen und Gags in deiner Speech. Es muss nicht ein Brüller auf den nächsten folgen, denn wenn das nicht locker flockig von den Lippen geht, kann das ziemlich „gewollt“ wirken...vielleicht sogar peinlich... Die Moral von der Geschicht: Steig mit Mut und Action in eine Rede ein, aber den Kasperl runterreißen muss auch nicht sein, denn man will ja noch ernst genommen werden...zumeist zumindest...

"I am what I am" - über die Krux mit der Authentizität

„Authentisch sein“ – ich glaube, es ist der meist gehörte Ratschlag, der einem Politiker im Wahlkampf, einem Manager fürs Interview, einem Star für den großen Auftritt gegeben wird. Gut, wir sind uns einig, dass zutode-gecoachte, unangreifbare Marionetten in den Beliebtheitswerten nicht ganz oben rangieren, dass eingelernte leere Phrasen niemand vom Hocker reißen und dass gemainstreamte Outfits und Gesten uns nicht hinterm Ofen hervor holen. Aber ist Authentizität wirklich der Schlüssel zum Erfolg – und zwar für jeden? Muss man wirklich nur "man selbst" sein, und dann wird’s schon klappen - mit dem Auftritt, mit dem Interview, mit der Rede? Wollen wir einen authentischen karrierefixierten Manager, wollen wir einen authentischen profitorientierten Verkäufer, wollen wir einen authentischen machthungrigen Politiker, wollen wir einen authentischen wirren Experten? Ich behaupte, nein. Der Kern der Persönlichkeit ist wohl das Um und Auf, glaubwürdig eine Sache zu vertreten, aber ein professionelles, sympathisches Auftreten kann durchaus ebenso helfen. Daher denke ich: Auf die Mischung kommt es an.