Erfolg

"I am what I am" - über die Krux mit der Authentizität

„Authentisch sein“ – ich glaube, es ist der meist gehörte Ratschlag, der einem Politiker im Wahlkampf, einem Manager fürs Interview, einem Star für den großen Auftritt gegeben wird. Gut, wir sind uns einig, dass zutode-gecoachte, unangreifbare Marionetten in den Beliebtheitswerten nicht ganz oben rangieren, dass eingelernte leere Phrasen niemand vom Hocker reißen und dass gemainstreamte Outfits und Gesten uns nicht hinterm Ofen hervor holen. Aber ist Authentizität wirklich der Schlüssel zum Erfolg – und zwar für jeden? Muss man wirklich nur "man selbst" sein, und dann wird’s schon klappen - mit dem Auftritt, mit dem Interview, mit der Rede? Wollen wir einen authentischen karrierefixierten Manager, wollen wir einen authentischen profitorientierten Verkäufer, wollen wir einen authentischen machthungrigen Politiker, wollen wir einen authentischen wirren Experten? Ich behaupte, nein. Der Kern der Persönlichkeit ist wohl das Um und Auf, glaubwürdig eine Sache zu vertreten, aber ein professionelles, sympathisches Auftreten kann durchaus ebenso helfen. Daher denke ich: Auf die Mischung kommt es an.

Warum wir Hüftschüsse Clint Eastwood überlassen und Kommunikation ein Konzept braucht

Wild-West-Action à la Hollywood, ja, das klingt verführerisch. Immer aufregend, immer neu, immer spannend – weil man es nicht kommen gesehen hat und weil man nicht weiß, was noch passiert. Und genau das ist die Krux an der Geschichte. Die Hüftschüsse eines Clint Eastwood mögen im Kino ein Erfolgsrezept sein, Hüftschüsse in der Kommunikation treffen selten das Ziel. Schnell, schnell hier ein Interview platzieren, weil „wir müssen in die Zeitung“ oder dringend einen Twitter-Account starten, ohne zu wissen, was man eigentlich im Interview sagen will oder wen man mit seinen Tweets erreichen möchte. Das lässt langfristig den gewünschten PR-Erfolg mit ziemlicher Sicherheit ausbleiben. Ich bin da ein absoluter Freund der konservativen Herangehensweise. Starten wir mit der Analyse der Ist-Situation, diskutieren und definieren wir das Kommunikationsziel. Passt es zum Unternehmensziel? Unterstützt es gar das Unternehmensziel? Entwickeln wir die Strategie, mit der wir ans Ziel wollen und machen im Anschluss einen feschen Maßnahmenplan. Wenn wir dann mit der Umsetzung durchstarten, ist die ganze Geschichte mehr als erfolgsversprechend. Denn wir wissen, was wir tun, wo wir hinwollen und was die einzelnen Steps dahin sind. Klingt vielleicht langweilig. Ist es aber nicht, weil seit wann ist Erfolg langweilig?