Interview

Antworten oder Botschaften? - über den ewigen Kampf im Interview

Die einen wollen ihre Fragen beantwortet wissen, die anderen wollen ihre Botschaften setzen. Im Interview prallen diese zwei Welten aufeinander. Der versierte Interview-Partner, insbesondere der gewiefte Politiker kennt das Spiel nur zur Genüge und beherrscht es souverän: Es ist ihm ziemlich gleich, welche Fragen ihm gestellt werden, er setzt einfach seine Botschaften. Was soll denn passieren, außer, dass der Journalist sagt, „Sie haben meine Frage nicht beantwortet“ und er darauf dies verneint und meint, er hätte es sehrwohl getan. Für den Zuseher ist das Spiel mitunter bedingt komisch...oder interessant...oder informativ...was halt ein Interview per se sein sollte. Niemand will die Phrasen-Drescher hören, niemand braucht ge-mainstreamte Weichspüler-Antworten. Aber anstelle von Entgegenkommen passiert oftmals das Gegenteil: Die Interview-Partner entfernen sich mehr und mehr voneinander. Die Fragen werden schärfer, provokanter, angriffiger und die Antworten werden weicher, unangreifbarer und inhaltsleer. Wie lösen wir das Dilemma: Soll der Interviewpartner die Vorbereitung, das Wording und das Messaging sein lassen und wieder einfach Fragen beantworten? Oder sollte man nicht einfach wieder ein Gespräch führen, ein Gespräch, und keinen Kampf aus dem ein Sieger hervorgehen muss?   

 

Der gescholtene Politiker - Was muss man sich eigentlich von Medien gefallen lassen?

Sie werden parodiert, sie werden kritisiert, sie werden karikiert. Ein kleines Missgeschick und sie werden wie die sprichwörtliche Sau durchs mediale Dorf getrieben. Im schlimmsten Fall landen sie auf der Anklagebank der ZiB2, wo mitunter die Gesetze, die Sorgfaltspflicht und der gute Ton nicht ganz vorne auf der Prioritätenliste stehen. Kein Mörder, kein Manager, kein Künstler, kein Sportler und sonst irgendjemand im Mittelpunkt des medialen Interesses muss so viel aushalten und einstecken können wie de Spezies des Politikers. Ja, sie müssen ihre Arbeit vor dem Souverän verteidigen. Ja, sie sind dem Volk eine Rechtfertigung fürs großzügige Ausgeben der Steuergelder schuldig, und ja, die Menschen da draußen haben nicht die Möglichkeit, selbst die Fragen an ihre Politiker zu stellen und der Journalist muss damit die Rolle des Staatsanwaltes übernehmen. Nur wenn dann aus dem Staatsanwalt im gleichen Moment der Richter wird, dann gerät das ganze Ding in eine Schieflage und ein Interview wird ganz schnell zur Mission impossible. Und wenn man nicht Tom Cruise heißt, kommt man da höchstwahrscheinlich nicht lebendig heraus. Also darf man schon die Frage stellen: Was muss sich ein Politiker von Medien gefallen lassen?

"I am what I am" - über die Krux mit der Authentizität

„Authentisch sein“ – ich glaube, es ist der meist gehörte Ratschlag, der einem Politiker im Wahlkampf, einem Manager fürs Interview, einem Star für den großen Auftritt gegeben wird. Gut, wir sind uns einig, dass zutode-gecoachte, unangreifbare Marionetten in den Beliebtheitswerten nicht ganz oben rangieren, dass eingelernte leere Phrasen niemand vom Hocker reißen und dass gemainstreamte Outfits und Gesten uns nicht hinterm Ofen hervor holen. Aber ist Authentizität wirklich der Schlüssel zum Erfolg – und zwar für jeden? Muss man wirklich nur "man selbst" sein, und dann wird’s schon klappen - mit dem Auftritt, mit dem Interview, mit der Rede? Wollen wir einen authentischen karrierefixierten Manager, wollen wir einen authentischen profitorientierten Verkäufer, wollen wir einen authentischen machthungrigen Politiker, wollen wir einen authentischen wirren Experten? Ich behaupte, nein. Der Kern der Persönlichkeit ist wohl das Um und Auf, glaubwürdig eine Sache zu vertreten, aber ein professionelles, sympathisches Auftreten kann durchaus ebenso helfen. Daher denke ich: Auf die Mischung kommt es an.